Leaving the comfort zone #11: Hüpfendes Abendessen

Man verzeihe mir diese schlechte Übersetzung, aber es gibt meines Wissens nach einfach keinen vernünftigen deutschen Begriff für die anglizistische Wortschöpfung „Jumping Dinner“, die aber meiner Recherche zufolge in Deutschland geprägt wurde.

Was genau ist denn nun ein „Jumping Dinner“? Ein Jumping Dinner ist ein neumodisches Rotationsverfahren, bei dem es vornehmlich darum geht, neue Leute kennenzulernen. Zu zweit (auch der zweite im Team kann schon unbekannt sein) wird in Teams für unbekannte Personen gekocht und mit diesen gegessen, reihum in den Wohnungen jeweils eines Teilnehmers  – und zwar Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise. Man ist einmal in einem Gastgeberteam, zweimal Gast.  Nach den drei Gängen treffen sich alle Teilnehmer des Jumping Dinners in einer Bar. Es gibt kommerzielle Varianten hierzu im Internet, die sich allein die Organisation viel kosten lassen (schon mit 26 Euro ist man dabei…). Ich nahm nun an einem Jumping Dinner teil, das zwar übers Internet organisiert und koordiniert wurde, aber auf semiprivater Basis und daher kostenfrei (abgesehen natürlich von den Zutaten). Da wir  nicht genug Personen für drei Gänge waren, beschränkten wir uns auf Vorspeise und Hauptgang.

Ich bekam als Cooking Buddy einen netten, mir bis dato unbekannten Italiener aus Pisa zugeteilt, in dessen Wohnung in Berlin-Mitte wir für die Vorspeise verantwortlich waren. Unser „Fahrplan“ sah folgendermaßen aus:

18 Uhr Vorspeise bei meinem Kochpartner in Mitte. 20:30 Uhr Hauptgang bei einem anderen Kochteam in Berlin-Friedrichshain in der Nähe des Ostkreuzes. 23 Uhr: Get-together in der „rivabar“ in Mitte in der Nähe des Hackeschen Marktes. So, das war ein ehrgeiziger, straffer Plan…

Schnell hatten wir uns im Vorfeld per Mail geeinigt, was wir zubereiten würden…  Aufgrund seiner Herkunft und meiner Präferenz für die italienische Küche waren die Starter sehr italienisch angehaucht: Bruschetta, Paprika gefüllt mit Ziegenkäse und Mozzarella-Tomaten-Sticks. Das ist einfach zu bewerkstelligen, lecker und außerdem zumindest mal vegetarisch – schließlich wusste man nicht, wenn man bewirten wird. Um 17:15 sollte ich da sein, damit wir Zeit genug für die Vorbereitung haben.

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Unsere Gäste waren eine Deutsche und eine Schwedin, die sich auch als sympathisch und unkompliziert entpuppten. Wir aßen, diskutierten lebhaft über dies und das, jedoch ganz bald mussten wir unser angeregtes Gespräch abbrechen, denn der nächste Gang stand an. Die beiden Mädels fungierten bei der Hauptspeise als Gastgeber (aber nicht für uns) und hatten noch einiges vorzubereiten. Wir beide „reisten“ zur Hauptspeise nach Friedrichshain und waren sehr gespannt, was  und wer uns da erwarten würde. Also rein in die U- und die S-Bahn und schnell zum nächsten Blind Date… 😉

Dort trafen wir auf einen Kanadier und eine Türkin, die uns mit Geflügel (paniert mit gehackten Walnüssen), Kartoffeln und Auberginen sowie Cacik beglückten. Sehr deliziös! Auch hier entsponn sich eine lebhafte Konversation, aber auch hier hatten wir immer einen Blick auf die Uhr, denn es sollte ja noch ein Treffen mit allen Teilnehmern in einer Bar geben, die Organisatorin hatte die „rivabar“ in der Nähe des Hackeschen Marktes gewählt, wo wir dann auch mit arger Verspätung eintrafen, aber dafür umso länger blieben…

Der Abend war sehr spannend – schon im Vorfeld war ich ein bisschen nervös. So viele unbekannte Leute an einem Abend zu treffen, das ist aufregend und nach einer Weile – ganz ehrlich – ein bisschen ermüdend, vor allem auch, weil man die ganze Zeit unterwegs ist, was das Ganze aber auf der anderen Seite auch wieder sehr dynamisch macht.

Riesig viel Spaß gemacht hat es, sympathische Leute habe ich getroffen – und vielleicht mache ich es mal wieder. Ich kann es jedem nur empfehlen, der zum Beispiel neu in einer Stadt ist. Man verbringt eine bestimmte Zeit mit stets neuen Personen – und weiß, dass (sollte man nicht auf einer Wellenlänge liegen) nach eben dieser begrenzten Zeit wieder ein Wechsel stattfindet.

Insgesamt eine gute Sache!

 

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2 Antworten zu Leaving the comfort zone #11: Hüpfendes Abendessen

  1. Ich wollte so was immer mal ausprobieren, hab es mich bisher aber nicht so wirklich getraut. Scheint aber sehr interessant zu sein – gibts ja bei uns in Düsseldorf auch. Ich werd mich mal mit dem Hüpfen probieren… Danke dir !!

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