Leaving the comfort zone #13: Bella Italia (oder ein Hauch davon) mitten in Berlin

Dass ich auf diversen Ebenen eine gewisse Affinität zu Italien hege, vermag ich nicht zu verbergen. Daher war ich auch sehr erfreut, als ich vor Jahren auf dem Berliner Stadtplan tief im Osten eine Gegend namens „Neu-Venedig“ erspähte.

Vor wenigen Tagen war es nun soweit: Jahrelang träumte ich von einem kleinen Venedig mitten in Berlin, nun endlich besuchten wir es auch. Man muss nämlich sagen: Es ist nicht direkt um die Ecke, sondern durchaus eher jwd („janz weit draußen“) – nichts, wo man immer mal vorbeikommt, sondern eher mit einer langen S-Bahn-Anreise verbunden.

Es handelt sich bei Neu-Venedig um eine Siedlung in Berlin-Rahnsdorf zwischen Dämeritz- und Müggelsee. Die Spree verzweigt sich hier in mehrere Kanäle, so dass die meisten Grundstücke in diesem Ort direkt am Wasser liegen und einen kleinen Steg oder ein Bootshaus haben. Während nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem verarmte und ausgebombte Familien dort lebten, so war der Ort unter dem DDR-Regime hauptsächlich privilegierten Funktionärsfamilien vorbehalten, die dort eine Datsche erhielten.

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Entstanden ist Neu-Venedig im Jahr 1890, als das Rittergut Rahnsdort gemeinsam mit dem Gut Hessenwinkel von der damals unabhängigen Stadt Köpenick erworben wurde. 1920 wurde Köpenick dann der 16. Verwaltungsbezirk von Berlin. So erläutert es die Website des Ortes. Um Neu-Venedig herum findet man klangvolle Straßennamen wie den Lagunenweg im Osten sowie den Rialtoring im Süden und Westen. Der Rialtoring umfasst mehrere Brücken.Besonders an Neu-Venedig ist auch folgender Fakt: Im Innenbereich von Neu-Venedig ist es bis heute nicht möglich, Dauerwohnrecht zu erlangen. Warum? Weil die Grundstücke im Notfall geflutet werden können, um die Stadt Berlin vor Hochwasser zu schützen.

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Abgesehen davon, dass Neu-Venedig tatsächlich sehr weit ab vom Schuss ist und somit zumindest für mich kein adäquater Wohnort wäre (ein Königreich für den Konjunktiv II, schließlich bleibt der Ort schon aufgrund der sicher immensen Grundstückspreise für jemanden wie mich – selbst dann, wenn ich dort wohnen wollen würde – unerreichbar), handelt es sich bei Neu-Venedig um einen kleinen, lauschigen Ort am Rande der Großstadt, ein Kleinod mit viel Wasser, sehr ruhig und beschaulich, mit schicken Häusern, gepflegten Rasenflächen, Enten und Seerosen.

Aber soll ich etwas verraten? Ich war am Abend sehr froh, als wir wieder „in der Stadt“ waren. Ruhe halte ich nur für eine gewisse Zeit aus…

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By the way: Als ich mich entschied, einen Post über Neu-Venedig zu verfassen, begab ich mich als erstes auf die Suche nach Zitaten zu Venedig, und ich war – ich gebe es unumwunden zu – ein wenig erschrocken. Denn annähernd jedes Zitat, das ich fand,  hatte einen wie auch immer gearteten Bezug zu Prostitution, zu Geld im negativsten Sinne (Geld verprassen, im Luxus schwelgen…) und zu bigottem Glauben.

Ich fand z.B. „Venedig ist das Paradies der Mönche und Huren“ (interessante Kombination), „Venedig mangelt’s so wenig an Geld als Frankreich an Soldaten“, „Zu Venedig lebt sich’s prächtig, morgens in der Messe andächtig, nachmittags ein kleines Spielchen und zu Nacht ein feines Dirnchen, also lebt sich’s zu Venedig“, „Zu Venedig soll man sich vor vier P hüten, nämlich vor Pieta Bianca, Prete, Putane e Pantalone“ (Berckenmeyer, 158;Hesekiel, 31),  also vor den weißen Steinen, den Priestern, den Dirnen und den gierigen Edelleuten, Venedig ist eine sonderbare Stadt, die gleichsam aus der See emporsteigt, voll Gedränges von Menschen, voll Fleiß und Betrügerei. Es ist mir lieb, dass ich sie gesehen habe.“  (Johann Gottfried Herder) und als letztes „In Venedig werden in einem Monat mehr Fische gegessen, als in Neapel das ganze Jahr gefangen (Hesekiel, Graf von Königsmark, 206). Ok, eigentlich war mein Ziel, in den Köpfen meiner Leser ein Bild des bildschönen, malerischen, romantischen Venedigs zu erzeugen. Juti, hat wohl nicht ganz geklappt… 😉

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2 Antworten zu Leaving the comfort zone #13: Bella Italia (oder ein Hauch davon) mitten in Berlin

  1. Sabrina Bloggt schreibt:

    Sehr schöne Bilder 🙂

    Durch Neu Venedig bin ich mal mit dem Kanu gepaddelt 😀

    Gefällt 1 Person

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