Leaving the comfort zone #14: Völlig losgelöst von der Erde…

10941903_10206152423874420_2939397659943661211_nVor wenigen Tagen noch war ich in Südostasien unterwegs und da meine Reisedauer vier Wochen umfasste, war es dringend notwendig, aufs Budget zu achten. Die typischen Dormitorien mit „bunk beds“ (Stockbetten) kennt der Backpacker ja zur Genüge – so auch ich…

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Level 6, das ist die Frauenetage

Eine Französin, mit der ich den Schlafsaal in einem Hotel in Hoi An an der vietnamesischen Küste teilte, brachte mich auf eine neue Idee, als wir uns über unsere bisherigen Übernachtungen austauschten. Ich empfahl ihr mein Hostel in Hanoi und sie empfahl mir etwas ganz Spezielles in Ho Chi Minh City, nämlich ein sogenanntes „Capsule Hotel“: Eine typisch asiatische Erfindung, geboren wahrscheinlich aus der Not aufgrund des Platzmangels und der Menschenmassen, die in asiatischen Großstädten unterzubringen sind: Sie riet mir zum  „Hongkong Kaiteki Hotel“. Ich recherchierte sofort im Internet danach  und reservierte mir ein Bett im „Female Capsule Dorm“. Ja, es ist speziell, aber ich wollte, so meine Gedanken, dort ja nichts weiter machen als nur zu schlafen. Außerdem war die Lage super zentral, also ideal für mich. Ein „richtiges“, konventionelles Hotel in der Lage wäre für mich ohnehin zu teuer gewesen. Die Französin fügte noch hinzu, sie habe da eine Nacht verbracht, es sei eine spannende Erfahrung gewesen, aber für länger sei das nichts. Ich quartierte mich für alle vier Nächte in Saigon dort ein. Im Notfall könnte ich ja immer noch umziehen, dachte ich mir.

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Die Kopfseite

Wie schauen die Kapseln nun aus? Diese Kapseln ähneln ein wenig den Kapseln, die man aus der Raumfahrt kennt, woran auch die Inneneinrichtung der Kapseln erinnert. Am Kopfende ein großes Bild der Erdkugel…  Ausgestattet ist die Kapsel mit einem Bildschirm, an den man den Laptop, wenn man einen mit sich führt, anschließen kann, verschiedenen Lampen, einem kleinen Safe, einem Spiegel, einer Steckdose und einem USB-Anschluss. Schließen kann man die Kapsel mit einer Art Vorhang von oben nach unten.

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Ordentlich ganz am Anfang

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Wenn man davor steht, sieht es so aus… 😉

So schaut die Kapsel von außen aus, wenn sie annähernd geschlossen ist...

So schaut meine Kapsel, „Zimmer“nummer 😉 606, von außen aus, wenn sie annähernd geschlossen ist…

Wenn man auf seinem Bett liegt und die Kapsel geschlossen ist, hat man diese Aussicht. Das meinte ich  damit, als ich sagte, der Blick in die Weite fehlte mir ein wenig...

Wenn man auf seinem Bett liegt und die Kapsel geschlossen ist, hat man diese Aussicht. Das meinte ich damit, als ich sagte, der Blick in die Weite fehlte mir ein wenig…

Im Capsule Gang befinden sich auf der einen Seite die Locker, die sehr groß und umfassend sind, auf der anderen Seite die  Schlafkapseln auf zwei Etagen. Meine Kapsel befand sich unten. Auf dem Foto ist meine die erste Kapsel unten, vor der Badelatschen stehen (mit Straßenschuhen darf der Schlafbereich, wie fast überall in Asien, nicht betreten werden). Das Badezimmer befindet sich auf der anderen Seite des Flurs und war zumindest in diesem Hotel sehr sauber.

Der "Female Capsule Floor". Meine Kapsel: Erste Kapsel links mit Badelatschen davor...

Der „Female Capsule Floor“. Meine Kapsel: Erste Kapsel links mit Badelatschen davor… Hier hat man das „Huhn-in-Legebatterie“-Gefühl… Hinten links ums Eck geht es weiter…

Das Bad für die Mädels-Etage... Recht sauber.

Das Bad für die Mädels-Etage… Recht sauber.

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Locker – groß und geräumig. Das war absolut ok so.

Meine Eindrücke im von mir getesten Capsule Hotel – positiv und negativ…

Positiv 🙂

  • sehr preiswert
  • mehr Privatsphäre als in einem normalen Schlafsaal, da man einfach den Vorhang schließen kann und dann wirklich einfach in seiner kleinen Kapsel abgeschlossen ist.
  • eine eigene Steckdose, was in asiatischen Hostels nicht selbstverständlich ist. In einem Hostel teilten wir uns 2 Steckdosen zu viert. Das kann bei unserem heutigen Anspruch (Kamera laden, Handyakku laden, Akku von Laptop/Pad laden… ;-)) problematisch und durchaus konfliktär behaftet sein.
  • eigene Klimaanlage
  • eigene Lampen (auch das ist ein Konfliktpunkt in normalen Dorms)
  • Verzicht auf alle Schnörkel, Konzentration aufs Elementare
  • sehr modern und gutes Wifi 😉 (nicht unerheblich beim Reisen)

Negativ 😦

  • sehr viele Mit-Schläfer im gleichen Dorm – ich habe mich innerlich geweigert nachzuzählen, wie viele es wirklich waren. 20 vielleicht?
  • Die größere Privatsphäre hat auch eine negative Seite: Man kommt mit den anderen kaum in persönlichen Kontakt. Während man in normalen Dormitorien rasch ins Gespräch kommt und sich daraus auch mal die ein oder andere Reisebegleitung für weitere Reiseschritte, wenn nicht sogar Freundschaft, entwickelt, so bleibt im Capsule Hotel jeder für sich. Das ist ein bisschen schade, denn genau die Kontakte, die man während der Reise knüpft, sind es, was das Backpacken und die Erfahrungen auf der Reise ausmachen.
  • Es ist zwar nicht faktisch, aber gefühlt sehr eng. Die Liegefläche ist normal groß, eher sogar ein bisschen größer als ein einfaches Bett in Mitteleuropa, aber da man des Nachts den Vorhang schließt, verringert sich der zur Verfügung stehende Raum gefühlsmäßig immens und der Blick in die Weite, den man in einem Dorm ja hat, fehlt völlig. Wenn jemand unter Klaustrophobie leidet, sollte er nicht versuchen, dort zu übernachten… Ich habe mit Platzangst eigentlich keine Probleme, aber ich hatte anfangs das Gefühl, ich hätte jeglichen Sauerstoff in meinem kleinen Raum aufgebraucht und bekam ein wenig Beklemmungen… 😉 Aber das war nur in der ersten Nacht…

Fazit: Eine interessante Erfahrung für ein paar Nächte. Ohne das Leid von Hühnern in einer Legebatterie auch nur annähernd nachempfinden zu können oder gar herabwürdigen zu wollen, aber man fühlt sich bezüglich der Enge, glaube ich, ein bisschen wie ein Huhn (ohne natürlich die physischen Schmerzen). Ich muss es nicht unbedingt wieder machen, vor allem nicht für eine längere Zeit, aber ich würde es durchaus, wenn alles andere (z.B. in Japan, das ja als eine eher hochpreisige Destination gilt) mein schmales Budget sprengt und ich nichts Weiteres haben möchte und erwarte als eine schnörkellose Übernachtungsmöglichkeit, die mich nicht viel kostet.

 

 

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2 Antworten zu Leaving the comfort zone #14: Völlig losgelöst von der Erde…

  1. Vanessa schreibt:

    Danke für deinen Beitrag, das mit den Kapselbetten klingt interessant. Könnte ich mir für ein oder zwei Nächte auch vorstellen, aber ich glaube dir gerne, dass man das nicht allzu lange aushält. Würde mich sicher auch ziemlich eingeengt fühlen 😉

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  2. AnitaBaronLine schreibt:

    Liebe Vanessa, vielen Dank für Deinen Kommentar! Genauso war es… War ein lustiges Erlebnis, aber…

    Lieben Gruß,
    Anita

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