„Wild Tales“ – Episoden aus dem Leben

Kurz vor Beginn der Berlinale, bevor also Berlin wieder praktisch auf dem roten Teppich lebt und sich von Film zu Film hangelt, war ich mal wieder im Kino. Zu sehen gab es einen etwas speziellen Film, nämlich den argentinischen Episodenfilm „Wild Tales“, der mir von einem Kollegen mit den Worten „Du magst ja auch Filme, die ein bisschen anders sind…“ empfohlen wurde. Ja, und wie er Recht hatte. Der Film war anders, aber vor allem a posteriori betrachtet sehr gut.

Thema des Films sind Geschichten aus dem Leben, Situationen, in die Menschen geraten können  und in denen sie teilweise in Bruchteilen von Sekunden in höchster Emotionalität über Wesentliches  entscheiden müssen – über den Umgang mit Schuld, über Rache, über Verzeihen, über Leben und Tod… Es sind auf den ersten Blick betrachtet Situationen, die absurd erscheinen, aber bei näherem Nachdenken sind es Angelegenheiten, in die jeder von uns jederzeit kommen kann. Und sobald einem dies bewusst wird, das eigene Gehirn anfängt, sich Fragen zu stellen, und man sich auf eine kleine Selbstreflexion einlässt, so schwindet das augenscheinlich komische Element des Films und es erscheint recht real:   Wie würde eigentlich ich selbst in so einer Lage handeln? Wozu wäre ich in solchen Ausnahmesituationen fähig? Könnte ich mich kontrollieren? Würde ich ausrasten? Wie weit würde ich gehen? Würde ich gar…?

Drastische Bilder untermalen die Geschichten. Teilweise waren sie mir ein wenig zu explizit – zu viel Blut, zu direkt, aber vielleicht war dies sogar notwendig oder wenigstens hilfreich, den Kontrollverlust, der in bestimmten Szenen vorherrscht, zum Ausdruck zu bringen. Das Ende der Episoden war stets überraschend, was wiederum auch mit der im Film gezeigten Brutalität –  mal physisch, mal psychisch – versöhnt. Insgesamt ähneln die Geschichten in ihrem Stil den Stories von Roald Dahl, dem Altmeister des schwarzen Humors.

Der Film war in Argentinien sehr erfolgreich und der meistgesehene des letzten Jahres. Auch international trifft er auf viel Wohlwollen. Ganz klar, warum: Der Film ist zwar in Argentinien beheimatet, könnte aber theoretisch überall auf der Welt spielen. Auch im diesjährigen Wettbewerb um den Auslands-Oscar  hat der Film Chancen, auf der Shortlist ist er schon einmal.

Mein Fazit: Eine tolle Idee, die hinter dem Film steckt. Er ist zwar gespickt mit drastischen Bildern, aber wer sich davon nicht abschrecken lässt und sich die Mühe macht, die Thematik auf sich wirken zu lassen, wird belohnt werden.

 

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