Leaving the comfort zone #18: Impressionen aus Nordkorea, einer gar fremden Welt…

Dass ich gerne reise, ist ja keine Neuigkeit – und dass ab und an mal Destinationen von mir besucht werden, die nicht ganz alltäglich sind, ist auch keine Überraschung mehr.  Allerdings gibt es auch für mich Staaten, die ich mir  zwar durchaus gerne mal selbst ansähe, um mir einen eigenen Eindruck von ihnen zu verschaffen, aber vor denen selbst ich ein bisschen kneife – vor allem auch aufgrund des Aspektes der Menschenrechte vor Ort und auch aufgrund der Tatsache, dass man diese Länder nur mithilfe von Reiseagenturen bereisen kann, was sich ja  mit meinem Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit beißt…

Einer dieser Staaten ist Nordkorea. Nordkorea, ein Land, um das sich aufgrund von Abschottung gegenüber der westlichen Welt viele Mythen und Gerüchte ranken, ein Land, dessen System auf uns rätselhaft und erschreckend gleichzeitig wirkt und das vor kurzem  durch den Film „The Interview“ auf absurde Art auch einmal abseits seines Führerkultes und des Besitzes von Atomwaffen in den Fokus des Weltgeschehens rückte…

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Ein lauschiger und spannender Abend in der Baiz lädt zu umfangreichen Notizen ein…

In meiner Lieblingskneipe, der „BAIZ“ in Berlin-Prenzlauer Berg, fand nun ein Themenabend zu Nordkorea statt. Eingeleitet wurde selbiger von Prof. Dr. Rüdiger Frank, einem Ostasienwissenschaftler der Universität Wien, der sein 2014 erschienenes Buch „Nordkorea: Innenansichten eines totalen Staates“  (Achtung: „total“, nicht „totalitär“) präsentierte und auch von seinen Erfahrungen als Austauschstudent dort in den Jahren 1991/1992 berichtete.

Rüdiger Frank zeigte auf, was Nordkorea ausmacht, berichtete von Wirtschaft, Geschichte und Kultur des Landes, erzählte illustrierende Anekdoten aus seiner Zeit als Student, sprach von der Wahrscheinlichkeit einer Wiedervereinigung der beiden koreanischen Staaten analog der deutschen, veranschaulichte die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den früheren beiden deutschen Staaten und den beiden koreanischen sowie die aus Franks Sicht nicht unmögliche Entwicklung Nordkoreas zum nächsten Tigerstaat Asiens, was auf den ersten Blick mehr als abstrus, aber nach der Vorstellung seiner Argumente durchaus denkbar ist.

Die zahlreich erschienenen Zuschauer lauschten gebannt den Worten Franks und nicht nur ich war ob vieler von ihm erläuterter Tatsachen manchmal ein wenig perplex oder zumindest verwundert. Kleine Details waren dies zumeist, die aber ein reelles Bild vom Leben in Nordkorea vermittelten. So berichtete Frank beispielsweise, dass das nordkoreanische Mobilfunknetz von ägyptischer Hand aufgebaut worden sei, woraus sich die Frage ergibt, worauf diese Kontakten zwischen Ägypten und Nordkorea fußen. Auch dass Haustiere, vor allem wohl Hunde, was  im asiatischen Kontext besonders erstaunt, in der nordkoreanischen Mittelschicht einfach dazugehören, vermochte er zu erzählen. Kleine Geschichten am Rande waren diese zwar nur, aber eben auch informative Einblicke in eine uns bislang zum größten Teil unbekannte Gesellschaft.

Danach folgte ein nordkoreanischer Film, den wir Zuschauer aus folgenden dreien wählen konnten: „Pulgasari“ (eine Art nordkoreanischer Godzilla-Film), „A Traffic Controller on the Crossroads“ und „The flower girl“

And the winner is… „A Traffic Controller on the Crossroads“: Es war der erste nordkoreanische Film, den ich je gesehen habe, aber durchaus nicht schlecht – ich war auf angenehme Art überrascht: Eine  Verkehrspolizistin, natürlich pflicht- und verantwortungsbewusst im Dienste des nordkoreanischen Volke tätig, illustriert die Wichtigkeit, sich an Regeln zu halten, um das Kollektiv zu schützen, und bekehrt gar schlimmste Verkehrssünder… Was ein wenig irritierte, waren jedoch die im Film massenhaft auf nordkoreanischen Straßen fahrenden alten Fahrzeuge und zwar aufgrund ihrer Marke… Na, welche Marke? Dem Film zufolge findet man auf den Straßen Nordkoreas vor allem Autos der Marke Mercedes-Benz…

Es war ein überaus interessanter Abend. Vorher kämpfte ich noch arg mit mir, ob ich wirklich hingehen sollte, da ich noch viel zu erledigen hatte, aber nun denke ich, dass mir dieser Abend einen sehr intensiven, aufschlussreichen Eindruck von Nordkorea brachte. Professor Franks Buch, aus dem er zitierte, ist für jeden am tatsächlichen Nordkorea Interessierten wahrlich empfehlenswert. Vielen Dank an den Referenten Herrn Prof. Frank und auch die Organisatoren des Abends!

 

 

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