„Ilsebill salzte nach“…

Heute ist wieder ein Großer gegangen, der schwer zu füllende Spuren hinterlässt: Der Literat Günter Grass, geboren 1927 in Danzig,  starb am heutigen Tage in Lübeck.

Ohne Zweifel war Grass ein Virtuose der deutschen Sprache,  er beherrschte, mit ihr zu spielen, sie für seine Zwecke, wenn man es böse umschreiben möchte, zu instrumentalisieren, um Stimmungen (und durchaus nicht nur angenehme) zu erzeugen, wie kaum ein Zweiter.

Jedoch: Grass war stets unbequem, streitbar und auch umstritten. Vor allem seine Rolle zu Zeiten des Nationalsozialismus, nämlich seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS, und  die jahrzehntelange Geheimhaltung dieser seinerseits, machten ihn nicht gerade zu Everybody’s Darling.

Unbestritten hingegen ist sein literarisches Schaffen, im Jahr 1999 mit dem Nobelpreis für Literatur gekrönt. Unvergessen bleiben seine großen Werke wie z.B. „Die Blechtrommel“ (1959) und „Der Butt“ (1977).

Mir selbst, die ich ein großes Faible für schöne und spannende  Formulierungen, für das Spiel mit der Sprache ganz allgemein habe und außerdem dem Absurden nicht abgeneigt bin,  bleibt bis in alle Ewigkeit der nicht nur für mich  schönste erste Satz der deutschen Literatur in Erinnerung, der dem „Butt“ entstammt: „Ilsebill salzte nach“.

Bei aller Skandalträchtigkeit, die Grass zeit seines Lebens umwitterte (und die Anekdote mit der Waffen-SS ist hierbei nur eine von vielen zweischneidigen Geschichten), bleibt seine Bedeutung als überragender Literat und unbestechlicher Beobachter im Deutschland des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts im Wandel der Zeit ungeschmälert.

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3 Antworten zu „Ilsebill salzte nach“…

  1. Alexa schreibt:

    Hallo Anita,
    ich habe gestern einen sehr langen Artikel über Brecht in der Zeit gelesen. Ein wunderbarer Literat, den ich schon als Kind bewundert habe.

    Viele Grüße,
    Alex.

    Gefällt 1 Person

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