„It’s better to burn out than to fade away“…

Na, wer kennt die obige Textzeile? Viele werden sagen, es sei ein Zitat von Neil Young, und ja, das ist auch richtig. Aber es wurde vor allem zitiert von einem meiner Lieblingsmusiker, nämlich vom großen Kurt Cobain: Neil Youngs Textzeile aus dem Song „My My, Hey Hey (Out Of the Blue)“ waren seine letzten Worte in seinem Abschiedsbrief, den er anlässlich seines Suizids, eine Überdosis Heroin und ein Kopfschuss,  hinterließ. Es ist heute eines meiner Lieblingszitate, da es mich so gut charakterisiert. IMG_5865Es gibt Musik, die man sein Leben lang nicht los wird. Für viele Menschen ist es die Musik der 60er Jahre, für andere die der 70er und für mich ist es eben die Musik der 90er. Meist ist es musikalisch betrachtet nicht die ganz große Kunst, aber definitiv immer handelt es sich um Musik, mit der man sehr viel verbindet, viele kleine und große Erlebnisse und Ereignisse im Leben, um das Lebensgefühl der jeweiligen Lebensperiode – auf jeden Fall sehr prägend.

Die 90er Jahre waren für mich voll mit großartiger Musik – was habe ich damals nicht alles gehört! Ein zu der Zeit sehr dominanter Stil war der Grunge, der damals gerade über den großen Teich von Seattle nach Europa schwappte. Gruppen wie Pearl Jam, Soundgarden und Nirvana mit der unvergleichlichen Ikone Kurt Cobain stürmten die Konzertbühnen der   Welt. Künstler wie Kurt Cobain waren zwar mit ihrem eigenen Leben heillos überfordert, aber stolperten dennoch oder vielleicht gerade deshalb direktemang nicht nur in den (Heroin)Tod, sondern ebenso voller Elan in die Herzen der heftig pubertierenden Fans, die die Skandale im Gegenteil nicht abstießen, sondern eher noch anzogen, da sie sich selbst in den Gefühlswelten der Stars und ihren Problemen wiederfanden.

Auch heute noch liebe ich die Musik dieser Ära, insbesondere die unbeschreibliche Musik der bei Licht betrachtet ziemlich kaputten Jungs von Nirvana – aber die Musik war einzigartig. Schon wenn ich an das berühmte Riff aus „Come As You Are“ denke, bekomme ich eine Gänsehaut. Diese Musik begleitete mich über Jahre und viele Anekdoten aus Kindheit und Jugend ranken sich um diese Songs. Was freute ich mich noch Jahrzehnte nach dem großen Nirvana-Hype, als ich mit einem Musiker zusammenkam, der ebenso wie ich ein Faible für eben jenes Riff hatte und mich nun damit tagtäglich weckte. Ein Traum. Das Riff aus „Come As You are“ ist übrigens auch das Einzige, das ich auf der Gitarre beherrsche. Ich ließ es mir einmal beibringen, denn das gehört ja für ein Kind der 90er zum guten Ton.  

Seit kurzem  gibt es nun eine Dokumentation über Kurt Cobain und Nirvana im Kino, die leider nur in sehr wenigen Lichtspielhäusern läuft: „Montage Of Heck“.  Wir aber fanden natürlich ein Kino und schauten uns das Werk von Brett Morgan im „Babylon“ in Berlin-Mitte an. Der Abend versprach vielversprechend zu werden: Einleitend wurden wir mit dem Cobain’schen Werk „Smells Like Teen Spirit“ auf der Kinoorgel beglückt. IMG_5863Der Film, produziert übrigens von Frances Bean Cobain, der Tochter Cobains und seiner späteren Frau Courtney Love, und unter anderem bereits präsentiert bei der diesjährigen Berlinale, zeigt das Leben des Kurt von den Anfängen bis zum bitteren Ende auf. Schonungslos wird die schwierige Kindheit und Jugend Cobains in Aberdeen, Washington, ebenso wie erste Erfahrungen mit Drogen (anfangs nur Marihuana, später dann Heroin), Depressionen, Abstürze, Selbstzweifel, die stets an  Cobain nagende große Angst vor Kritik, die er wohl stets als Demütigung empfand, thematisiert. Interviews mit seinen Eltern, seiner Schwester, musikalischen Weggefährten, seiner großen Liebe und späteren Witwe sowie Mutter seiner Tochter Courtney Love ergänzen das Bild. IMG_5867Mithilfe sehr privater Einblicke, teils durch eben diese Interviews, teils durch Fotos aus den ersten Jahren seiner Kindheit, die Kurt als sehr aktives Kind zeigen, das aus Unsicherheit und Hilflosigkeit seiner Mutter mit Medikamenten frühzeitig seinem Aktionismus entzogen werden sollte, teils durch Videoaufnahmen mit seiner eigenen kleinen Familie, versteht es Brett Morgan, den Menschen Kurt Cobain verständlich zu machen: Kurt, ein musikalisches oder auch insgesamt künstlerisches Genie, das auf der einen Seite dank seiner hypersensiblen Wahrnehmung zu außergewöhnlicher Leistung fähig ist, das aber auf der anderen Seite schwerlich mit seinen intensiven Gefühlen umzugehen vermag. Hinzu kommt ein gesundheitliches Problem mit seinem Magen, das er mit Heroin zu bewältigen versucht. Das Ende ist weithin bekannt: Am 5. April 1994 endet das Leben Kurt Cobains mit einem Selbstmord – Kurt Cobain wird somit ein weiteres Mitglied des  Klub 27, einer Gruppe von Künstlern (u.a. Janis Joplin und Jimi Hendrix), die im scheinbar mystischen Alter von 27 verstarben…

Kurt war ein Künstler – selbstzerstörerisch und genial. Seine Musik, ihr besonderer Sound und ein gewisses Lebensgefühl werden  eine ganze Generation niemals loslassen.

„With the lights out, it’s less dangerous… Here we are now, entertain us…“

(Smells Like Teen Spirit)

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